die Altmeisterliche Mischtechnik:
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Am Beispiel meines simplen Portraits der Bäckerstochter werde ich einen kurzen Einblick geben in die altmeisterliche Mischtechnik oder "Mische-Technik" mit Ei-Tempera- und Ölfarben. Die Mischtechnik wurde von den Holländischen Meistern zum Ende des 15. Jahrhunderts entwickelt.
Es handelt sich um eine langwierige und relativ schwierige Maltechnik, die jedoch wie keine andere die Efekte von Tiefe, Transparenz und Weichheit der Farbverläufe und Umrisse ermöglicht.
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Es wird zwischen zwei Arbeitsschritten unterschieden: die Untermalung und die Ausarbeitung.
Es handelt sich hierbei um eine flüchtige Beschreibung und ich empfehle niemandem sich an dieser Technik ohne praktische Anleitung durch einen versierten Künstler zu versuchen.
Der "Gesso" Malgrund:
Als Malgrund wählen wir Sperrholz oder Leinwand. Für Anfänger ist zunächst der festere Untergrund besser geeignet. Wir schleifen den Untergrund mit feinem Sandpapier. Anschliessend streichen wir den vorgewärmten Grund mit einer Schicht heissem Perlleim (Verhältnis 100g/Liter). In einer Kaserole im Wasserbad oder auf sehr schwachem Feuer bereiten wir die Gesso-Grundierung zu: zu einem Drittel Perlleiml (Verhältnis wie Zuvor 100g/Liter) fügen wir Schritt für Schritt unter ständigem rühren mit einem Holzlöffel ein weiteres Drittel feingemahlener Kreide* zu und ein weiteres Drittel weisses Pigment in Pulver (Zinkweiss oder Titandioxyd). Die Mischung wird mit einem Holzlöffel heiss verrüht bis keine Klumpen mehr vorhanden sind. Wenn die Masse zu dick wird, kann Wasser zugefügt werden. Die Mischung muss heiss sein, darf aber unter keinen Umständen kochen!
Es werden 6 Schichten aufgetragen zwischen Schicht und Schicht mit feinem Schleifpapier schleifen.
*Kreide ist gemahlener abgebundener Gips, daher der Name "Gesso" das Italienische Wort für Gips.
die Untermalung
Besteht im Prinzip in der Auftragung verschiedener Lasuren, das sind transparente Farbschichten. Die Lasuren bestehen aus Ölfarben gemischt mit Medium. Zwischen den einzelnen Lasuren erfolgen Weiss-Höhungen mittels Ei Tempera. notwendige Utensilien:
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• 1 frisches Ei
• 1 Glasplatte oder Spiegel
• 1 Spachtel
• Dammar-Firnis
• Leinöl
• Terpentinöl
• Venetianisches oder verdicktes Terpentinöl
• Pigmentpulver (Titandioxyd)
• Chinesische Stocktusche, angerieben
• 1 Bleistift Nº ¡B! |
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• 1 Rohrfeder (selbst herestellt aus einem ca. 20 cm langen und 8 mm dicken Stück Schilfrohr)
• Pinsel und Ölfarben (in jedem Arbeisschritt wird notwendiges erläutert) die Vorzeichnung:
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Alle Malerei beginnt mit einer Zeichnung.
Wir können eine Zeichnung vom Papier auf die Malfläche übertragen mittels Kohlepapier oder auch direkt auf dem Holz oder der Leinwand zeichnen. Weiche Bleistifte (B) oder Kohle ist zu empfehlen, es sollten jedoch keine harten Bleistifte verwendet werden, da sie unsere Gesso-Grundierung zerkratzen können und uns somit die Lasuren unmöglich machen. |
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Es sollte mit dem geringst möglichen Druck gearbeitet werden, um die Imprimatura nicht zu verschmutzen. die Rohrfeder
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Mit einem gut angeschliffenen Messer oder Skalpell schnitzen wir die Spitze einer Zeichen-Feder in unser Stückchen Schilfrohr (siehe Zeichnung rechts). Ungefähr 12 mm von der Spitze entfernt, bohren wir ein kleines Loch mit einem Nagelbohrer und spalten die Spitze der Feder bis zur Höhe des Loches.
Man sollte jedes mal eine neue Feder aus einem grünen Schilfrohr schnitzen, ich selbst habe mich aber an's Arbeiten mit einer trockenen Rohrfeder gewöhnt und benutze diese viele male hintereinander.
Mit Hilfe unserer Rohrfeder zeichnen wir nun die wichtigsten Linien und dunkelsten Schatten nach. Wir benutzen dazu chinesische Stocktusche, da diese, einmal trocken, weder von der Eitempera noch von der Ölfarbe angelöst wird. |
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Die Rohrfeder verlangt Übung, da nur sehr geringer Druck ausgeübt werden darf. Wenn die Stocktusche trocken ist, machen wir weiter mit der Imprimatura: (oder rote Lasur)
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Wir bereiten unser Malmittel (Medium) zu. Dazu mischt man Dammar Firnis zu gleichen Teilen mit Leinöl.
Von den drei verschiedenen Untermalungs-Techniken habe ich eine Variante der Primärfarben-Untermalung gewählt, da diese für Portrait und Menschliche Figur am besten geeignet ist. Sie ermöglicht genau diesen weichen Hautton den wir bei den alten Meistern so bewundern. Besonders wenn wir selbsthergestellte Harz-Ölfarben verwenden. |
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Wir suchen uns ein oder zwei Rottöne. Ideal ist Kadmiumrot oder Indisch rot.
Im Beispiel habe ich Crimson Zinnober für die dunkleren Töne und Kadmiumrot für den Hintergrund verwendet. Die Lasuren werden mit einem weichen Pinsel in Katzenzungen- oder flacher Form der Nummer 24 oder höher aufgetragen.
Das Medium ist sparsam zu verwenden, höchstens 25% Anteil an der Ölfarbe. Die Transparenz erzielt man durch das Ausbürsten der Farbe mit dem Lasurpinsel, diese darf niemals flüssig sein.
Nach 24 - 36 Stunden müsste unsere Lasur Hand-trocken sein. die erste Weiss-Aussparung oder Weiss-Höhung:
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Je nach Beschaffenheit unseres Malgrundes entscheiden wir ob wir den Kratzer zum Aussparen oder die Ei-Tempera zur Weiss Höhung verwenden.
Als Kratzer dient ein Messerchen oder Skalpell dessen Spitze wir abrunden aber dennoch gut anschleifen. Man benutzt die quergestellte Klingenspitze um die Lasur weg zu kratzen und den weissen Gesso-Grund freizulegen.
Vorsicht ! |
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Beim Weiss Höhen oder Aussparen dürfen niemals die Konturen nachgezeichnet werden, es handelt sich vielmehr um ein Modellieren: Man markiert die Lichter und lässt die Schatten stehen.
die Herstellung der Ei-Tempera:
Mit einem breiten Dorn (z.B. Stricknadel) öffnen wir zwei Löcher an den gegenüberliegenden Seiten eines frischen Eis und lehren es in ein lehres Marmeladenglas mit Schraubverschluss. Anschliessend decken wir das untere Loch im Ei mit dem Finger ab, und befüllen die Schale mit Medium. (Es gibt natürlich auch andere Methoden die ein gleiches Volumen-Verhältnis garantieren). Wir fügen einen Esslöffel Wasser zu und schütteln die Mischung gut durch. Unsere Basis für die Ei tempera ist nun fertig! Wir stellen das Marmeladenglas in den Kühlschrank, wo es sich gut und gerne ein Jahr lang frisch hällt.
Auf einen sauberen Spiegel oder eine Glasplatte geben wir eine kleine menge Titan Dioxyd und im Anschluss die gleiche Menge unserer Ei-Tempera-Basis. Mit einem kleinen Spachtel mischen wir alles gut durch, bis keine Krümel mehr zu spüren sind. Die Ei-Tempera ist fertig, wenn sie die konsistenz von Yoghurt hat. Mit dem Spachtel streichen wir die Ei Tempera in einen kleinen Becher oder verschraubbares Glas und geben enige tropfen Wasser zu ohne es zu vermischen. Die fertige Ei-Tempera gehört sofort in den Kühlschrank da sie bei Raumtemperatur nicht 'mal einen tag frisch bleibt.
Für die Weiss-Höhung benutzen wir Rotmarder-Pinsel der folgenden Grössen:
• rund Nº 8 bis 10
• flach der Nº 2
• flach der Nº 6 und 10 zum vermalen. Die zweite Lasur: (gelb)
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Wenn Ei-Tempera und Ölfarbe handtrocken sind, was einige Tage dauern kann, fahren wir mit der zweiten Primärfarben-Lasur fort.
Wir suchen ein helles Gelb wie zum Beispiel Cadmiumgelb Limon und mischen ein wenig Weiss dazu, vorzugsweise Zinkweiss. Wir tragen die gelbe Lasur so gleichmässig wie möglich über die gesammte Bildoberfläche auf.
Das Resultat sollte so aussehen: die Zonen die vorher weiss waren sind jetzt gelb und die roten Zonen sind orange.
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Jetzt können wir einen frischen Blick auf unser Bild werfen um zu sehen was wir verändern oder verbessern können.
Wir warten 12 bis 24 Stunden für die Die zweite Weiss Höhung:
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Auf die noch frische gelbe Lasur malen wir weiter mit unserer Ei-Tempera für die zweite weiss Höhung. wir streichen ein wenig Ei-Tempera auf unsere Palette, aber nur so viel wie wir in maximal 3 Stunden verbrauchen können damit sie nicht eintrocknen kann. Die übrige Tempera bringen wir schnell wieder in den Kühlschrank. Wenn wir sie stets kalt halten, hällt sie sich etwa 2 Wochen lang frisch und reicht bis zur Vollendung des Bildes. Es ist wichtig zu berücksichtigen, dass es sich bei der zweiten weiss-Höhung nicht um eine simple Wiederholung handelt. |
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Vielmehr geht es darum zu verfeinern und zu verbessern. Es ist auch möglich ganze Detailles in dem Bild zu verändern oder zu verschieben. In diesem Bild habe ich zum Beispiel die Position des Ohrrings des Mädchens verändert.
Wenn Ölfarbe und Tempera gut trocken sind gehen wir zum nächsten Schritt: Die dritte Lasur: (blau)
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Die Lasuren brauchen manchmal recht lange zum trocknen, und um nicht der Versuchung zu verfallen frühzeitig an einem Bild weiter zu arbeiten ist es ratsam stets mehrere Bilder gleichzeitig in Arbeit zu haben.
Je nach dem Effekt den wir mit unserer blauen Lasur erzielen wollen, wählen wir ein oder zwei Blautöne aus. Cöllinblau gibt eine gute Basis für strahlend blaue Himmel. Preussischblau ist gut geeignet für die dunkelsten Schatten und um eine nächtliche Stimmung zu erzeugen. |
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Die blaue Lasur wird nicht gleichmässig aufgetragen wie die gelbe- sondern deckender in den dunklen Bereichen und sehr transparent in den hellen Zonen.
Am folgenden Tag, und auf die noch feuchte Lasur folgt Die dritte Weiss-Höhung:
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Sie gibt uns wieder die Möglichkeit Korrekturen und Veränderungen am Bild vorzunehmen. Jetzt müssen wir darauf achten, dass alle Detailles des Bildes richtig sitzen und die Helligkeitswerte den gewünschten Efekt haben.
Nach Fertigstellung der dritten weiss-Höhung sehen wir das Bild in den sogenannten 'optischen Graustufen' vor uns. Auf den ersten Blick könnte es sich um ein schwarz-weiss Gemälde halten, es sind aber bei näherer betrachtung alle Farben des Regenbogens in dem Grund vorhanden, die sich transparent durchscheinen lassen.
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¡ Unsere Untermalung ist nun fertig - fangen wir mit dem malen an! Lasuren in reellen Farben:
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Wir warten bis unser Untermalung recht gut trocken ist. Wir mischen die Farben auf der Palette und malen in feinen Lasuren weiter. Die Schatten , die durch die Lasurschichten leuchten, intensivieren wir mit ein wenig Van Dyke, Umbra oder anderen dunklen Erd-Pigmenten. Man sollte kein schwarz verwenden, da damit der Leuchteffekt der optischen Grautöne zerstört werden kann.
Die letzten Weiss-Höhungen |
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Wenn die Lasuren in reellen Farbwerten halbwegs trocken sind, höhen wir abermals die lichten Zonen mittels unserer Ei-Tempera. Die Alten Meister empfahlen etwa sechs weiss-Höhungen in einem Bild. So fahren wir fort: Lasur - weiss-Höhung - Lasur - weiss-Höhung usw.
Wenn das Resultat unseren Vorstellungen nahe genug kommt, beginnen wir mit dem nächsten Schritt: Halbdeckende Malweise:
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Dieses Foto ist etwas verschwommen. Es ist aber das einzige, das ich von diesem Schritt habe. Das bild ist grósstenteils fertig, gerade so wir wir es mit den Lasuren bearbeitet haben. In einigen Bereichen kann es aber notwendig sein, halbdeckende Farbe zu verwenden; besonders dort, wo sehr reine Farben und helle Lichter gebraucht werden. Hier verwenden wir die Ölfarbe pur oder mit einem kleinen Anteil Venezianischen Tepentins. Zum Weichzeichnen der Umrisse benutzen wir einen trockenen Marderhaar oder synthetischen Pinsel in Katzenzungen-Form und der Nummer 6.
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Wenn nötig intensivieren wir die hellsten Lichter mittels Ei-Tempera.
Die letzten Lasuren
Wenn alles Hand-trocken ist, können wir einige Efekte mittels spezieller Lasuren erzielen:
In unserem Beispiel gab ich eine hellblaue Lasur über den Hintergrund um eine erhöhte Tiefenwirkung zu erzielen.
über das gesammte Gesicht des Mädchens gab ich eine zart rosa Lasur um den Ausdruck zu versüssen und die Schatten weicher zu machen.
Bevor wir das Bild beenden, sollten wir uns vergewissern, dass sämtliche Ei-Tempera mit Ölfarbe oder Medium bedeckt ist, um zu verhindern, das die Ei-Tempera unter Lichteinwirkung vergilbt. |